Australien – Erfahrungsbericht von Jenny

 

MOTIVATION UND VORBEREITUNG

 

Bereits nach dem Schulabschluss bin ich für neun Monate nach Neuseeland gegangen. Das ist mittlerweile 10 Jahre her. Wieder zurück in Deutschland begann ich eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und nach knapp 6 Jahren im Beruf fing es wieder an mir in den Fingern zu kribbeln. Noch nicht 30 wusste ich um die Möglichkeit mit dem Working Holiday Visum nach Neuseeland nun auch noch nach Australien reisen zu können und nach einigen Überlegungen ist der Entschluss gefallen.
Als erstes habe ich das Visum beantragt, einen gültigen Reisepass hierfür hatte ich bereits und mit Bestätigung war es dann quasi offiziell, es wird wieder Richtung Down Under gehen. Die Flüge wurden gebucht und dann musste der Arbeitgeber informiert werden. Im privaten Umfeld stieß ich bei manchen Leuten auf Unverständnis. „Wie kann man denn in der heutigen Zeit einen sicheren Job kündigen…?“ Tja, Leute, wenn nicht jetzt wann dann und da das Visum nur bis 30 beantragt werden kann, tickte die Uhr. Außerdem muss man manchmal einfach mal machen, ohne groß nachzudenken. Jetzt kann ich all den Zweiflern da draußen sagen: Es war mit die beste Entscheidung meines Lebens!
Die Vorbereitungen gingen weiter ihren Gang, die Wohnung wurde gekündigt, Möbel verkauft und die Zeit verging wie im Flug, bis dann der 29. April gekommen war und es hieß: Los geht’s!

AUF INS ABENTEUER

Zuerst reiste ich für vier Wochen in die USA, habe New York City und die Westküste bereist. Der Aufenthalt hat mich sehr beeindruckt und ich kann die USA als Reiseziel sehr empfehlen. Irgendwie ist dort alles EXTREM. Die Landschaft ist extrem schön, die Burger extrem groß und die Leute extrem freundlich.
Mit einem Stopover von drei Tagen auf Hawaii flog ich dann von Los Angeles nach Sydney, und schwupps war man da, am anderen Ende der Welt. Die Einreise verlief reibungslos, der Grenzbeamte war sehr freundlich, mit dem Visum gab es keine Probleme, das ist alles elektronisch hinterlegt und somit konnte das Abendteuer beginnen. Mit dem Airport Link fuhr ich dann vom Flughafen erstmal in die Stadt in mein vorgebuchtes Hostel. Dieses Lag im Stadtteil „The Rocks“ und von der Dachterrasse aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die Sydney Opera.
Müde vom langen Flug (von Hawaii sind es tatsächlich noch 10 Stunden Flug bis Sydney) ging der erste Tag Down Under schnell zu Ende.
Die nächsten Tage standen ganz im Zeichen von “erstmal ankommen und alles organisieren”. So habe ich mir ein Bankkonto eröffnet und meine Steuernummer beantragt und in der Freizeit die Stadt angeschaut. Sydney ist wirklich toll!

MELBOURNE, LEBENSWERTESTE STADT DER WELT

Die gesamte Reise habe ich zusammen mit meinem Partner gemacht. Nach der ersten Reisezeit an der Ostküste hat es uns nach Melbourne verschlagen. Wir haben beide in Melbourne einen guten Job gefunden und da man mit dem Working-Holiday-Visum bis zu 6 Monate bei dem gleichen Arbeitgeber bleiben darf, haben wir die gesamten 6 Monate in Melbourne verbracht.
In den vergangenen Jahren wurde Melbourne immer wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt und ja, dem kann ich nur voll zustimmen. Die Stadt liegt am Meer, hat aber auch richtiges Großstadtflair zu bieten. Melbourne ist eine junge Stadt, hat eine große Universität und dementsprechend ist das Nachtleben auch sehr gut, da viele Studenten in Melbourne leben. Generell gibt es einen ständigen, freundschaftlichen Kampf zwischen Melbourne und Sydney, ähnlich wie z.B. Köln und Düsseldorf. Ich bin definitiv pro Melbourne. Das liegt aber vor allem auch daran, dass die Zeit dort intensiver war und ich eine engere Bindung zu der Stadt habe. Sydney ist super zum Sightseeing, Melbourne zum Leben!

 

 

AUTOKAUF/UMBAU

Australien kann man auf unterschiedliche Weise bereisen. Viele Backpacker reisen mit dem Bus, gerade lange Strecken kann man natürlich gut mit dem Flugzeug überbrücken. Für uns stand allerdings von Anfang an fest, dass wir mit dem eigenen Auto unterwegs sein wollen. Man ist einfach flexibler und kann in seinem eigenen Tempo reisen und so machten wir uns Im November daran ein geeignetes Fahrzeug zu finden. Da wir uns vorstellten auch durchs Outback, am Strand und über Stock und Stein fahren wollten, sollte es ein Geländewagen werden. Wir schauten in Zeitungen, Internet und Anzeigen an schwarzen Brettern. Verschafften uns einen Überblick vom Markt und starteten dann zu einigen Testfahrten. Als Backpacker muss man teilweise ganz schön aufpassen, gerade wenn man keine Ahnung von Autos hat, versuchen die Verkäufer einem manchmal ganz schön über den Tisch zu ziehen. Daher sollte man sich genug Zeit lassen, ggf. das Auto nochmal von einem Mechaniker prüfen lassen bevor man sich entscheidet.

Wir entschieden uns letztendlich für einen weinroten Toyota Landcruiser und nannten sie (ja genau, sie war weiblich) Matilda.
Wir haben bewusst etwas mehr Geld zusammengekratzt und uns richtig Zeit gelassen, da man viele Horrorgeschichten hört und haben auch ganz bewusst nicht von anderen Backpackern gekauft, sondern von Einheimischen, denn die pflegen ihre Autos natürlich besser als jemand der nur kurz damit reist. Ein Nachteil war jedoch, dass Matilda noch nicht reisefertig war. Wir wollten gerne einen Camper daraus machen und so begann erstmal der Umbau. Wir haben einen Kühlschrank, der über eine zweite Batterie betrieben wurde und ein Bett eingebaut. Es gibt auch Agenturen die diesen Umbau anbieten, da wir aber eigenen Zugang zu Werkzeugen hatten, haben wir das einfach selbst gemacht.

FARMARBEIT

Nach 6 Monaten in Melbourne ist mein Entschluss gefallen und ich wollte mein Visum um ein weiteres Jahr verlängern. Hierzu muss man jedoch 88 Tage Farmarbeit machen. Die Tage müssen vom Arbeitgeber bestätigt werden und die Einwanderungsbehörde prüft das dann und wie bei der ersten Visumsbestätigung bekommt man den Bescheid per Email. Ich hab mich also aufgemacht um Farmarbeit zu leisten. Habe im Bundestaat Victoria in einer Tomatenfabrik und in South Australia auf einer Apfelplantage gearbeitet. Es waren wirklich harte aber auch sehr spaßige Zeiten, da wir eine richtig gute Truppe waren. Die Arbeit sollte man aber wirklich nicht unterschätzen, es ist harte körperliche Arbeit und manchmal arbeitet man bis zu 12 Stunden am Tag.

REISEN ZWISCHENDURCH

Australien ist nicht wie Europa, andere Länder sind nicht in 5 Autostunden zu erreichen, dafür ist Australien von Ländern umgeben bei dessen Namen ein Europäer ins Träumen kommt. Und anders als in deutschen Reisebüros wird vor Ort nicht mit Spanien, Italien oder Griechenland geworben, dort liest man im Vorbeigehen immer wieder so etwas wie: Fidschi, Tahiti, Cook Island oder Bali. Und wenn man schon mal am anderen Ende der Welt ist und die Flüge zu diesen Traumzielen relativ erschwinglich sind, muss man diese Möglichkeit natürlich wahrnehmen.
So haben wir zwischendurch immer mal wieder Abstecher u.a. nach Fidschi und Bali gemacht. Gerade Fidschi war atemberaubend, wie im Bilderbuch. Die Flüge haben wir uns jeweils vor Ort gebucht, für die Einreise bekommt man meist ein Touristenvisum. Dafür benötigt man lediglich seinen Reisepass.

AUSTRALIENS WESTKÜSTE

Von Darwin ging es dann mit unserer Matilda die Westküste runter, bis nach Perth. Insgesamt haben wir uns für diese Strecke 6 Wochen Zeit genommen, man kann das sicherlich auch kürzer oder länger gestalten. Gerade in den Nationalparks entlang des Weges waren wir sehr froh unsere Matilda zu haben, sie hat uns sicher über Stock und Stein gebracht und wir sind an Stellen gewesen, die wir so sonst nicht erreicht hätten. Die Westküste ist wunderschön, allerdings sehr dünn besiedelt und das muss man wissen und auch mögen, bevor man sich auf die lange Reise begibt. Anders als sie Ostküste, die von jungen Backpackern teilweise überrannt wird ist die Westküste teilweise sehr einsam und nicht gerade gut geeignet um Party zu machen – aber genau das wollten wir. Wie auch an der Ostküste gibt es ein vorgelagertes Riff, das „Ningaloo Reef“ und dort sind wir wieder Schnorcheln und Tauchen gewesen. In „Monkey Mia“ kann man Delfine bestaunen die jeden Tag an den Strand kommen und im Francois Peron Nationalpark trifft die rote Erde auf den weißen Strand und das blaue Meer. Entlang der Küste findet man zudem immer wieder Traumstrände, mit unfassbar weißem Sand der so fein ist, dass es knirscht wenn man drüber geht. Und das Beste ist: Diese Strände hat man sehr oft für sich ganz alleine!

FAZIT

Was soll ich sagen außer: Der Schritt nach Australien zu gehen war eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Während der gesamten Zeit Down Under habe ich so viel erlebt, ganz viel über mich selbst gelernt und viele tolle Leute getroffen. Australien ist ein wunderbares Land, einfach der Wahnsinn! Das Beste an einem Work and Travel Aufenthalt ist jedoch, dass jeder seinen Aufenthalt anders gestalten kann, es gibt dabei kein richtig und falsch, die Reise kann jeder individuell gestalten. Eben Freiheit pur!